Ein spannender Erfahrungsbericht von Markus Kirchmaier  an der International Summer School South West University (SWU) Chongqing, China

+++ Alle Erfahrungen, Überraschungen und Highlights zusammengefasst +++

Aufnahmeverfahren

Tag der Operation, Kavernom im Frontallappen, das Handy klingelt.
„Hello, is this Markus Kirchmaier?“ Es war Frau Min Tang, welche für die Auswahl der Teilnehmer aus Europa für das Summer Camp in China zuständig war.

Nach kurzem Gespräch in Englisch war schnell klar, dass sie mich dabeihaben wollte. Meine Operation habe ich natürlich verschwiegen, bis dato war ja nicht bekannt, ob ich 4 Wochen nach dem Gespräch schon eine 13h+ Reise mit dem Flugzeug antreten konnte.

Alles lief gut, der Arzt gab das OK, das Visum war eingeholt, der Tag der Abreise vom Flughafen München rückte näher. Durch Kommunikation der Universität konnten sich 4 weitere KollegInnen aus Deutschland finden, welche den gleichen Flug nach Chongqing, über Peking, buchten.

Anreise

Treffpunkt Flughafen München. Binnen weniger Minuten war klar, wir verstehen uns prächtig, das wird eine tolle Reise. Bedenken? Ja klar, die hatten wir sehr wohl. Schmeckt das Essen? Sprechen die Chinesen Englisch? Wie sind die Teilnehmer aus den anderen Ländern und Kontinenten? Wie sind die Schlafzimmer? Hygiene? Doch wir waren uns einig, je offener wir dieser Erfahrung gegenüberstanden, desto besser würde sie werden.

Nach einer knapp 18h dauernden Reise wurden wir vom Flughafen in Chongqing abgeholt, zu unserer Verblüffung: nicht von Chinesen. Abdul und Pablo, 2 Studenten am International College der SWU opferten ihre Freizeit, um uns und 2 Studenten aus Tansania abzuholen.

Ankunft Universität

Nach knapp 1-stündiger Fahrt erreichten wir den Campus der SWU. Beim Aussteigen war der Smog in unseren Lungen spürbar, doch das Campus Gelände war so beeindruckend, dass wir schnell jegliche Beschwerden vergaßen. Ein eigenes Bussystem, 250.000 Studierende, über 500.000 am Campus Lebende, inkl. eigenem Altersheim, Kindergarten, Stores, Büchereien und Sportplätzen war das Universitätsgelände wie eine eigene Stadt, und das ganze total im Grünen.

Unsere Zimmer waren klein, nicht-mal 10m² inklusive Badezimmer, doch mit eigener Klimaanlage ausgestattet, was bei knappen 35°C in subtropischem Klima wohl das wichtigste war. Müde von der Reise ging unser erster Nachmittag zu Ende, Tag 1 des Summer Camps erwartete uns.

Das Frühstück in der Kantine war typisch chinesisch, sehr gewöhnungsbedürftig. Alles war frittiert, Nudeln, Frühlingsrollen, Hefe-Reisteigbrötchen, nichts gleichte europäischem Gewohnten.

8:50 Uhr, Willkommens Banquet. Jede wichtige Persönlichkeit der SWU saß mit uns an einem Tisch, Reden wurden gehalten, wir kamen uns vor wie KönigInnen. Wir merkten schnell, dass dieses Camp sehr wichtig für die SWU war, um Kontakte zu knüpfen und sich nach außen zu präsentieren.

Nach einer 2-stündigen Führung durch das Campusgelände, konnten wir endlich Mittagessen, jedoch nicht wie gewohnt. Nur mit Chopsticks ausgestattet, hatten wir alle Gerichte vor uns auf einer Glasplatte, welche man drehen konnte, stehen. Alles wurde geteilt. Die Kommunikation mit unseren Mitmenschen stand im Vordergrund. Chinese Take Away in Europa? Nichts dergleichen gab es hier! Knochen im Essen, 1000-jähriges Ei, frittierte Entenköpfe, Schweineschnauzen, um nur ein paar Highlights hervorzuheben.
Komfortzone? Aus der waren wir schon lange ausgetreten! Genial!

Highlights

Im Laufe der Tage lebten wir uns sehr gut ein. Viele gemeinsame Ausflüge, z.B. nach Chongqing Downtown, einer atemberaubenden modernen Stadt mit einem genialen Nightview, zu den Dazu Stone Carvings, einem Weltkulturerbe, auf den Jinyun Mountain inkl. in seine Taoistischen und Buddhistischen Tempel, oder zu BOE, einem weltführenden Unternehmen für die Herstellung von Bildschirmen jeglicher Art, brachten uns die Chinesische Kultur und Chongqing näher.

Chinesisch Stunden mit Ms. Liu waren unser tägliches Highlight, auch wenn wir manchmal nicht wirklich wussten, was wir lernten. (Ms. Liu sprach kaum Englisch.) Einführungen in Chinesische Traditionen wie Paper-Cutting, Musikinstrumente, Chinesischer Bogenkunst oder KungFu waren eine tolle Abwechslung und lehrten uns die Einzigartigkeit dieses Landes zu genießen.

Diskussionen zum globalen Jobmarkt, Gruppenpräsentationen mit internationalem Flair und die nächtlichen Aktivitäten (Rooftop Bar o.Ä.) schweißten uns zusammen und halfen uns andere Kulturen, nicht nur die chinesische, zu verstehen, zu respektieren und lieben zu lernen.

Bedenken? Waren alle umsonst. Das Essen war toll. An den Lebensstandard gewöhnte man sich, Luxus gab es jedoch keinen. Die Menschen versuchten, trotz oft fehlender Englischkenntnisse, zu helfen, auch wenn es hieß, dass sie uns bis zu unserem Ziel begleiten mussten. Unsere KollegInnen, sowohl internationale, als auch chinesische, zähle ich alle nun zu meinen Freunden.

Ein Highlight kann ich wohl nicht ausmachen, da jeder Tag für sich alleine so besonders war, dass ich meine Zeit in China wohl als beste Erfahrung meines Lebens betiteln möchte.

Zur Krönung meiner Reise, hatten wir nach 14 Tagen in Chongqing noch einen 2-tägigen Kurzaufenthalt in Peking eingeplant. Die verbotene Stadt und die chinesische Mauer zu besichtigen, steht wohl auf jedermanns To-Do Liste, doch ich kann diese Punkte nun bereits abhacken.

Um meine Erfahrung also nochmal kurz zusammenzufassen:
Weltklasse! Atemberaubend! Unbeschreiblich! Das muss man einfach erlebt haben!