Forschung an der Privatuniversität

Economic Decision Making

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Inhaltliche Kurzdarstellung:

Dieser Forschungsschwerpunkt analysiert die psychologischen Determinanten menschlichen Entscheidens in wirtschaftlichen Kontexten. Der Fokus dieses Forschungsbereichs liegt dabei auf der Analyse derjenigen Merkmale und Variablen, die wirtschaftliche Entscheidungsprozesse systematisch verzerren, die aber für die eigentliche Entscheidung objektiv irrelevant wären. Oft rekurriert der Mensch im Rahmen der häufig komplexen wirtschaftlichen Entscheidungen auf kognitive Vereinfachungsstrategien, um die mentale Herausforderung der Entscheidungsfindung zu reduzieren. Für diese Vereinfachungen und damit verbundene Phänomene finden sich abhängig vom jeweiligen Forschungsgebiet zahlreiche unterschiedliche Begrifflichkeiten, die unterschiedliche Akzentuierungen vornehmen: z.B. Stereotype, Heuristiken, conceptual consumption, affect as information.
Konkrete Erträge in diesem Forschungsbereich befassen sich dementsprechend beispielsweise damit, welche peripheren Merkmale potentieller Bewerber systematisch die Bewertungen der Entscheider im Kontext der Personalauswahl verfälschen. Hierbei betrachten wir auch die Auswirkung von Ähnlichkeitsheuristiken auf organisationale Kreativitäts- und Innovationsprozesse. Unsere gegenwärtige Forschung hierzu analysiert Kulturspezifika dieser Stereotype.

Auch Aspekte der Markenpersönlichkeit, die Marken und Testimonials (also Personen, die für diese Marke werben) unabhängig von der Realität im Sinne eines Images zugeschrieben werden, erweisen sich im Konsumkontext als heuristische Determinanten von Kaufentscheidungen unabhängig von objektiven Produkteigenschaften. Unsere aktuellen Forschungsprojekte hierzu transferieren die gewonnenen Erkenntnisse in den Bereich nachhaltiger und ökologischer Konsum¬entscheidungen.

Schließlich betrachten wir in einigen wirtschaftspsychologischen Anwendungsfeldern wie beispielsweise in den Bereichen Entrepreneurship und Führung auch den systematischen Einfluss von Emotionen auf kognitive Bewertungsprozesse. In diesem Kontext gehen wir auf die Rolle von Emotionen bei der Umsetzung unternehmerischer Innovationen ein und untersuchen gegenwärtig die Auswirkungen des Emotionsausdrucks von Führungskräften auf die Arbeitsprozesse von Mitarbeitenden.

Insgesamt ist der Beitrag dieser Forschung insbesondere darin zu sehen, dass periphere Objekt- und Personenmerkmale nicht als bloße Fehlerquelle (im Sinne unsystematischer Varianz) erkannt werden, sondern dass aufgezeigt werden kann, dass diese Aspekte menschliche Innovations- und Entscheidungsprozesse in wirtschaftlichen Kontexten systematisch (im Sinne eines Bias) verfälschen. Hinsichtlich der praktischen Anwendung geht dies über eine bloße Sensibilisierung für menschliche Fehleranfälligkeit hinaus und erlaubt die Entwicklung von zielgerichteten Interventionsmaßnahmen (vgl. Debiasing). Exemplarische Arbeiten zu diesem Themenblock sind:

Exemplarische Publikationen:

  • Agthe, M., Spörrle, M., Frey, D., & Maner, J. K. (2014). Looking up versus looking down: Attractiveness-based organizational biases are moderated by social comparison direction. Journal of Applied Social Psychology, 44(1), 40–45.
  • Agthe, M., Spörrle, M., & Maner, J. K. (2010). Don’t hate me because I’m beautiful: Anti–attractiveness bias in organizational evaluation and decision making. Journal of Experimental Social Psychology, 46(6), 1151–1154.
  • Bekk, M., Spörrle, M., & Kruse, J. (in press). The benefits of similarity between tourist and destination personality. Journal of Travel Research.
  • Brosi, P., Spörrle, M., Welpe, I. M., & Heilman, M. E. (in press). Expressing pride: Effects on perceived agency, communality and stereotype-based gender disparities. Journal of Applied Psychology.
  • Koellinger, P. D., & Treffers, T. (2015). Joy leads to overconfidence, and a simple countermeasure. PLOS ONE, 10(12), e0143263.
  • Michl, T., Welpe, I. M., Spörrle, M., & Picot, A. (2010). The influence of affective states on the strategic decision-making process. Management Research [Managementforschung], 20, 79–112.
  • Spörrle, M., Bekk, M., & Felser, G. (2010). Facetten der Kongruenz – Persönlichkeitsbasierte Ähnlichkeit von Marke und Testimonial als Determinanten wahrgenommener Passung und Kaufwahrscheinlichkeit. Marketing ZFP, 32, 180–194.
  • Welpe, I. M., Spörrle, M., Grichnik, D., Michl, T., & Audretsch, D. B. (2012). Emotions and opportunities: The interplay of opportunity evaluation, fear, joy, and anger as antecedent of entrepreneurial exploitation. Entrepreneurship Theory and Practice, 36(1), 69–96.

Wichtige Kooperationspartner in diesem Forschungsschwerpunkt:

  • Hong Kong Polytechnic University, Faculty of Business (Univ.-Prof. Dr. Jason D. Shaw)
  • Kellog School of Management (Univ.-Prof. Dr. Jon K. Maner)
  • New York University, Department of Psychology (Univ.-Prof. Dr. Madeline E. Heilman)
  • TU München, Lehrstuhl Betriebswirtschaftslehre – Strategie und Organisation (Univ.-Prof. Dr. Isabell M. Welpe)