Homeoffice, eine Frage des Charakters

Unsere Assoc.-Prof. Dr. Theresa Treffers nahm in den OÖ Nachrichten (Ausgabe vom Donnerstag, 18. Juni 2020) Stellung zum gegenwärtigen Thema Homeoffice.

Wem passt das Arbeitszeitmodell Homeoffice beziehungsweise passt es überhaupt jemandem?
Unsere Associate Professorin für Entrepreneurship betont dabei vor allem, dass es hinsichtlich dieser Fragestellung weder ein Richtig, noch ein Falsch gibt. Das Wichtigste ist, dass sich Arbeitgeber und -nehmer einig sind. Denn Unternehmen und deren Mitarbeiter*innen haben nicht immer dieselbe Passform. Es kommt ganz auf die Organisation und deren Präsenz- und Meetingkultur an. Nicht alle Jobs können im Homeoffice stattfinden. Hinzu kommt noch, dass es unterschiedliche Führungskräfte gibt, wobei manche ein höheres Vertrauen in ihre Mitarbeiter*innen haben und manche den Arbeitsprozess eher kontrollieren möchten. Umgekehrt gibt es natürlich auch die Seite der Mitarbeiter*innen, deren Motivation entscheidend für den Erfolg dieses Arbeitszeitmodells ist.

Braucht das Homeoffice eigene, besondere Strukturen?
Natürlich benötigen viele Mitarbeiter*innen trotz Homeoffice einen gewissen Arbeitsrahmen, um für Führungskräfte oder Kolleg*innen erreichbar zu sein. Eine Arbeitszeit von 18 Uhr abends bis Mitternacht ist dabei häufig nicht kompatibel. Das heißt aber nicht, dass Mitarbeiter*innen davon abgehalten werden, in der Zeit, in der sie kreativ sind, zusätzlich zu arbeiten. Hier ist aber auch Vorsicht geboten. Die Verschmelzung von „Home“ und „Office“ kann gefährlich sein. Es braucht eigene Strukturen und eine gewisse emotionale Stabilität, da das Gefühl immer arbeiten zu können ein Abschalten erschweren kann. Denn für den einen können eigene Strukturen genial sein, für den anderen wiederum belastend. Intrinsisch motivierte Personen sind im Vergleich zu extrinsisch motivierten Personen tendenziell produktiver und zufriedener mit dem Arbeitszeitmodell Homeoffice, da diese eine erhöhte Arbeitsautonomie aufweisen.

Welchen Einfluss hat Homeoffice auf die Produktivität?
Wenn Zeitfresser wie sinnlose Meetings oder ausufernde Kaffeepausen im Büro durch Homeoffice gestrichen werden, kann Homeoffice die Produktivität grundsätzlich sogar steigern. Allerdings ist der Mensch ein soziales Wesen und braucht dementsprechend den sozialen Austausch mit Kolleg*innen. Der sogenannte Flurfunk ist zum Beispiel ein Faktor, der durch das Arbeitszeitmodell Homeoffice wegfallen würde. Dieser birgt grundsätzlich sowohl Chancen, als auch Risiken. Ein Wegfallen des Flurfunks resultiert in einem Fehlen des informellen Kommunikationsaustauschs für Mitarbeiter*innen. Demgegenüber steht natürlich ein Gewinn des Unternehmens, da Mitarbeiter*innen sich nicht mehr in negativen Kommunikationsspiralen gegenseitig nach unten ziehen und alles schlecht reden können.

Ein Ausblick in die Zukunft: Wird es dieses Arbeitszeitmodell nun vermehrt geben?
Die Coronakrise hat uns dabei geholfen, das Arbeitszeitmodell Homeoffice sowie dessen Vor- und Nachteile besser kennenzulernen. Frau Prof. Treffers kann sich dementsprechend vorstellen, dass es in Zukunft mehr Homeoffice geben wird, um an Aufgaben zu arbeiten, die konzentriertes Denken erfordern. Demnach würden Mitarbeiter*innen nur noch für wichtige Meetings und den sozialen Austausch ins Büro kommen.

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